Hinweis:
Alle mit ZOE gekennzeichneten Rezensionen wurden auf den Seiten der Zeitschrift OrganisationsEntwicklung veröffentlicht. Dort finden sich weitere aktuelle und ausgewählte Buchbesprechungen zum Thema Organisationsentwicklung und Change Management.
Mythos Führungskraft
Werner Katzengruber
Konzepte, Tugenden, Erfolgsgeheimnisse Wiley-VCH 2010, 315 Seiten, Euro 19.90, ISBN 978-3-527-50550-0
Rezension von Oliver Haas, Ausgabe 1/11
Das Cover macht es unmissverständlich: In diesem Buch geht es um Führung – um Menschenführung. Werner Katzengruber, Experte in Fragen der Organisations- und Personalentwicklung, will mit den gängigen Mythen über Führungskräfteverhalten aufräumen. Dabei soll es nicht um eine theoretische Abhandlung gehen, was Führungskräfte können müssen, sondern darum, was eine gute Führungskraft «tatsächlich ausmacht». Entsprechend liest sich das Buch mehr wie ein Erfahrungsbericht oder ein «Denkbuch», das zum Hinterfragen anregen soll. Dies gelingt dem Autor durch eine klare und nachvollziehbare Sprache, einen hohen Grad an Praxisbezug und eine eingängige Struktur. Beginnend mit Voraussetzungen für eine wirksame Führung werden im zweiten Schritt zentrale Tugenden für Führungskräfte dargestellt und abschließend konkrete Handlungsmaximen für Führungskräfte beleuchtet. Anregend und auflockernd sind dabei die zahlreichen Interviews mit Führungskräften aus unterschiedlichen Branchen, die die Ausführungen auf anschauliche Weise ergänzen. Das Buch wirft damit nicht nur Fragen auf, sondern bietet auch konkrete Lösungsoptionen an. Das Schöne daran ist, dass diese nicht deskriptiv beschrieben, sondern mit konkretem Erfahrungswissen belegt sind. Allen Ausführungen ist eine kurze Zusammenfassung in Form eines Fazits angefügt, was ein späteres Nachschlagen erleichtert. Das Buch eignet sich somit nicht nur für Führungskräfte, sondern auch für «Geführte », die einmal hinter die Kulissen von Führung schauen und verstehen wollen, in welchen Spannungsfeldern sich Führungskräfte tagtäglich bewegen. Dass dabei manche Aspekte von Führung nur verkürzt behandelt werden können (bspw. die Rolle von Führungskräften in organisationalen Veränderungen) ist zu verkraften. Dies ist nicht der Anspruch des Buches. Vielmehr geht es um das Gesamtbild einer «Führungskraft» und was diese in der Berufspraxis ausmacht. Dies regt zum Nachdenken und gegebenenfalls auch Überdenken der eigenen Rolle im Berufsleben an.
Diversity
Michael Stuber
Das Potenzial-Prinzip
Luchterhand 2009, 2. Aufl., 286 Seiten,Euro 45, ISBN 978-3-472-07488-5
Rezension von Hubert Kuhn, ZOE, Ausgabe 1/11
Das Thema Diversity gewinnt zunehmend an Fahrt. Treibende Faktoren dafür sind der demografische Wandel, eine gesellschaftliche Liberalisierung von Normen und die allgegenwärtige Internationalisierung. Sind der Charta der Vielfalt
mittlerweile schon fast 900 Unternehmen mit etwa 5 Millionen MitarbeiterInnen beigetreten, interessieren sich auch immer mehr staatliche und kommunale Organisationen dafür. Der Status als oberflächliche US-amerikanische Modeerscheinung ist überwunden und Diversity Management könnte zur nächsten größeren Reorganisationswelle in privaten und staatlichen Organisationen werden. Einen nicht unwesentlichen Anteil daran hat der Autor, der seit über 12 Jahren führende Unternehmen in Europa berät und als «Deutschlands Diversity Papst» bezeichnet wurde. Diese umfangreiche Erfahrung wird in vielen Praxisbeispielen des Buches deutlich. Mit den Erfahrungen von Daimler, Telekom, aber auch der Bundesagentur für Arbeit oder der Stadt Berlin argumentiert Stuber für eine systematische Organisationsveränderung hin zur Anerkennung und Wertschätzung von Vielfalt. Unterstützt wird dies durch Untersuchungen aus den USA, die überwiegend den Nutzen eines Diversity-Ansatzes sowohl für die Außenwahrnehmung, Personalgewinnung als auch für die Produktivität eines Unternehmens belegen. Hinsichtlich der Produktivität von Diversity-Teams zeigen Untersuchungen, dass die Vielfalt allein noch nicht erfolgreich macht, sondern erst wenn die daraus entstehenden Konflikte gelöst werden. Auch wenn hier sicherlich noch weiterer Forschungsbedarf besteht, sind die Belege doch überzeugend, dass Unternehmen mit Diversity erfolgreicher arbeiten. Wie kann dies nun implementiert werden? Stuber sieht dies als umfassenden Change Management Prozess, der systematisch geplant und gesteuert werden muss. Dazu gehören sowohl die Verpflichtung der (obersten) Führung und die Umsetzung top down in Personalgewinnung, -entwicklung und Führungsinstrumenten, als auch bottom up die Auseinandersetzung an der Basis mit entsprechenden Workshops und Schulungen. In diesem Veränderungsprozess gilt es, «Kopf, Herz und Hand» zu berücksichtigen. Gute Argumente müssen den Nutzen dieses Konzeptes deutlich machen und eine klare Entscheidung dafür ermöglichen. Auf der emotionalen Ebene sind hier oft nicht unerhebliche Widerstände vorhanden, sich von traditionellen monokulturellen Strukturen und Vorstellungen zu lösen. Erst wenn die neue Praxis konsequent umgesetzt und entsprechend sanktioniert wird, sind dauerhafte Effekte zu erwarten. Michael Stuber gibt mit seinem Buch zahlreiche Beispiele wie Diversity in unterschiedlichen Organisationen umgesetzt worden ist, belegt mit europäischen und US-amerikanischen Studien die Vorteile von Diversity und weist auf die Fallstricke hin, die bei einer umfassenden Implementierung zu beachten sind. Ein Standardwerk zu Diversity Management.
Das Mitarbeitergespräch als Führungsinstrument
Brigitte Winkler/Helmut Hofbauer
Handbuch für Führungskräfte und Personalverantwortliche Hanser 2010, 4. Aufl., 491 Seiten, Euro 49.90, ISBN 978-3-446-41606-2
Rezension von Hubert Kuhn ZOE, Ausgabe 1/11
Wer sich grundlegend zu Mitarbeitergesprächen informieren will oder Tipps für konkrete Fragestellungen sucht, findet hier fundierte und praxiserprobte Hinweise. In den letzten 20 Jahren führten viele Unternehmen geplante und strukturierte Mitarbeitergespräche als Führungsinstrument ein. Die Erfahrung der Autoren, Führungskräfte in der Umsetzung zu schulen und Organisationen bei der Implementierung zu beraten, merkt man auf jeder Seite dieses Buches, das 1999 zum ersten Mal erschien. Zielsetzung ist die Praxis eines Mitarbeitergespräches als Führungsinstrument und dementsprechend wendet sich das Buch an Anwender und Entscheider. Systematisch und gründlich werden die Merkmale und Unterschiede zwischen anlassbezogenen Gesprächen, zum Beispiel Kritik oder Abmahnung eines Mitarbeiters, herausgearbeitet zu institutionalisierten Mitarbeitergesprächen, die meist jährlich Zusammenarbeit, Zielerreichung und zum Teil die Vergütung thematisieren. Neben der konzeptionellen Klarheit liegt der Schwerpunkt in der kommunikativen Gestaltung, die auch in der Unternehmenspraxis meist die größte Schwierigkeit darstellt. Wie spreche ich eine gravierende Diskrepanz zwischen Selbst- und Fremdwahrnehmung oder eine innerliche Kündigung so an, dass das Gespräch einen positiven Verlauf nimmt? Wie gehe ich mit Abwehr, Rationalisierung oder unfairen Gesprächsstrategien um? Oder wie spreche ich heikle Themen, zum Beispiel ungepflegtes Äußeres an? Die konkreten Tipps und Beispieldialoge für diese Fragen verfallen dennoch nicht der Gefahr von «How-to-do» Ratgebern, nur an der Oberfläche zu bleiben. Sowohl in der Bearbeitung der heiklen Situationen als auch in den Kapiteln zu Wahrnehmung oder Kommunikation und Gesprächsführung werden die Themen ausreichend tief psychologisch analysiert und dann kommunikativ aufbereitet, zum Beispiel in praktischen Tipps zur Gesprächsführung oder Verhalten in Ausnahmesituationen. Besonders interessant sind die vier Fallbeispiele aus Konzernen und mittelständischen Betrieben, die zeigen, wie Mitarbeitergespräche systematisch als Führungsinstrument in eine Organisation eingeführt werden können. Dies um asst sowohl die Kosten-Nutzen-Analyse dieses Systems, als auch rechtliche Fragen, die Einbindung des Betriebs- bzw. Personalrates und die Schulung der Führungskräfte. Was bisher nur implizit reflektiert wird und in einer weiteren Auflage ausführlichere Beachtung verdiente, sind die interkulturellen Aspekte von Mitarbeitergesprächen zum Beispiel hinsichtlich Autorität, Feedback und Motivation. Ein Standardwerk zum Thema Mitarbeitergespräch.
Abenteuer Change Management
Manfred Höfler/Dietmar Bodingbauer/Hubert Dolleschall/Franz Schwarenthorer u.a.
Handfeste Tipps aus der Praxis für alle, die etwas bewegen wollen Frankfurter Allgemeine Buch 2010, 224 Seiten, Euro 24.90, ISBN 978-3-89981-242-8
Rezension von Klaus Doppler ZOE, Ausgabe 1/11
Praktiker wissen, viele Veränderungsprojekte scheitern oder bringen zumindest nicht die Ergebnisse, wie sie in sehr ausgefeilten Konzepten beschrieben waren. Die Ursachen dafür mögen vielfältig sein, aber immer wieder wird betont, es läge nicht am Wissen, sondern an der schlechten Umsetzung. Aber wenn dem so wäre, wo liegt dann das Problem? Mangelndes Wollen oder ungenügendes Können? Wozu soll denn dann ein weiteres Buch von Nutzen sein, wenn wir eigentlich kein Wissensproblem haben? Wahrscheinlich hat das Misslingen von Veränderungen vielfältige Ursachen aus unterschiedlichen Bereichen, aber vielleicht doch auch in Bezug auf Wissen. Nicht, dass das einschlägige Wissen, warum und wie Veränderungen anzugehen sind, an und für sich nicht vorhanden wäre. Sondern weil dieses Wissen häufig nicht ausreichend praxistauglich und schon gar nicht zielgruppenorientiert und empfängerfreundlich aufbereitet und beschrieben ist. Und genau hier macht das vorliegende Buch einen deutlichen Unterschied zu schwerpunktmäßig theoretischen Publikationen und zu reinen Ratgebern gefüllt mit allerlei Werkzeugen. Einerseits ist es von Praktikern geschrieben, die viele Jahre Erfahrung in der Begleitung von Veränderungsprozessen auf dem Buckel haben – in internationalen Konzernen, öffentlichen Organisationen sowie in Familienunternehmen. Sie setzen in ihren Geschichten genau bei den neuralgischen Phasen von Veränderungen an, die häufig den Keim des Misslingens in sich tragen, wenn sie nicht richtig angegangen werden. Darüber hinaus werden wesentliche Erkenntnisse nicht tiefschürfend und bedeutungsschwanger dem Leser einmassiert, sondern von dem Cartoonisten Michael Unterleitner in rund 50 Illustrationen bildhaft
und humorvoll übersetzt. Man fühlt sich ertappt und muss doch schmunzeln. Diese Mischung aus knappen theoretischen Erläuterungen, Schaubildern, Fallvignetten und Tipps macht den eigentlichen Reiz des Buches aus. Von Lewin stammt die Aussage: «Ein System lernt man erst kennen, wenn man versucht, es zu verändern.» Insofern kann man jeden Veränderungsprozess auch als eine Expedition in unbekanntes Gelände verstehen. Und in Anlehnung an das Dichterwort «wenn jemand eine Reise tut, dann kann er was erzählen» ergibt auch der Titel des Buches einen Sinn: «Abenteuer Change Management» – mit vielerlei Reiseberichten und damit verbundenen Empfehlungen für andere Reiselustige.
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