Literaturrezensionen

Hinweis:

Alle mit ZOE gekennzeichneten Rezensionen wurden auf den Seiten der Zeitschrift OrganisationsEntwicklung veröffentlicht. Dort finden sich weitere aktuelle und ausgewählte Buchbesprechungen zum Thema Organisationsentwicklung und Change Management.

Critical Perspectives on Leadership

Jeanette Lemmergaard/Sara Louise Muhr (Hrsg.)
Edward Elgar Publishers 2013, 217 Seiten
GBP 67.50,ISBN 978-0-85793-112-2

Rezension von Prof. Dr. Joachim Freimuth, ZOE, Ausgabe 1/14

Die Herausgeberinnen des Sammelbandes weisen mit Recht darauf hin, dass der Einfluss von Emotionen im Kontext moderner Führungsrollen und der Entwicklung von Organisationskulturen zu einem bedeutsamen Thema in Theorie und Praxis geworden ist. Der gemeinsame konzeptionelle Ansatz der hier vorgelegten Beiträge besteht nun darin, Emotionen nicht als Gegensatz zur Rationalität zu verstehen, die nun gleichsam alles durcheinander wirbeln. Die Situation ist deutlich komplexer. Dysfunktionale emotionale Dispositionen bei Führungskräften führen zum Beispiel oftmals zu erstaunlichen Leistungen, eindrucksvollen Berufspfaden und vielfach auch zu bemerkenswerten unternehmerischen Erfolgen. Allerdings auch zu Problemen und Krisen. Unternehmen bewegen sich zunehmend immer wieder an ihren Grenzen und sind stets neuen Herausforderungen ausgesetzt. Vermutlich bringt das auch mehr und mehr grenzwertige Persönlichkeitsstrukturen bzw. Verhaltensmuster ins Spiel, die gleichwohl funktional sein können. Dieser Zusammenhang wird u.a. am Beispiel von Innovationen verdeutlicht. Es handelt sich dabei um Musterbrüche, von Akteuren ausgelöst, die sich anders und manchmal eben auch verrückt verhalten, weil sie sich über Normen hinwegsetzen. Wir müssen uns also von der simplifizierenden Dualität zwischen «normaler» und «toxischer» Führungspraxis verabschieden und deutlich komplexere Erklärungsformen ins Auge fassen, die sich den Grauzonen des Verhaltens zuwenden. Im vorliegenden Band erhält der Leser einen recht guten Überblick zu der internationalen Diskussion der Thematik. Im einführenden Teil legen die Herausgeberinnen dar, wie sich die traditionelle Sichtweise der Führungsforschung nun auf das Feld der Emotionen ausrichtet und so differenziertere Perspektiven entwickelt. Der zweite Teil des Bandes besteht aus fünf Fallbeispielen, die sich anschaulich mit der zuweilen karnevalistischen, vielschichtigen und widersprüchlichen Realität von Führungsverhalten im Grenzbereich von Vernunft und Dysfunktion auseinandersetzen. Im dritten Teil findet der Leser dann wieder eine Reihe von theoretischen Beiträgen, die sich u.a. mit den Phänomenen der Ignoranz, Eitelkeit oder Stupidität von Führungskräften befassen. Das Buch wendet sich an Manager, Personalentwickler und Berater, die eine bislang wenig betrachtete Facette der Führungsrealität näher betrachten wollen. (JF)

 

Die Toolbox für Manager

Roman Stöger
Schäffer-Poeschel 2013, 400 Seiten, ISBN 978-3-7910-3280-1

Rezension von Oliver Hass, ZOE, Ausgabe 1/14

Es ist durchaus Skepsis angesagt, wenn ein Fachbuch mit dem Attribut «Ein Muss für Führungskräfte» daher kommt. Die Tatsache, dass es sich «Toolbox für Manager» nennt, bestärkt diese Skepsis. Umso gespannter fällt der Blick in das Buch aus. Trends, exotische und (meist) anglizistische Wortschöpfungen haben das Management in den letzten Jahren immer stärker heimgesucht. Da nicht jedes Jahr ein neues Managementparadigma oder spezifische Sets an Tools und Methoden entwickelt werden können, sollte man dieser Entwicklung entspannt gegenüber treten. Und genau da setzt die «Toolbox» von Roman Stöger an: Sie führt praxiserprobte und mit viel Erfahrungswissen hinterlegte Methoden auf, die sich über Jahrzehnte bewährt haben. Dahinter verbirgt sich das Verständnis, dass Management in erster Linie Handwerk ist, was erlernt und professionalisiert werden kann. Den «charismatischen Leader» sucht man in der Toolbox vergebens.Marktanalysen, Strategieentwicklung, Prozessgestaltung, Projektmanagement, Mitarbeitergespräche führen, ein Protokoll erstellen: All das klingt vertraut und bekannt, macht aber auch heute noch den Management- und Führungsalltag Mitmaßgeblich aus. Strategie, Innovation, Organisation, Produktivität, Projekte, Change. Für all diese Bereiche werden Methoden und Tools vorgestellt, die für eine wirksame Führungsarbeit nötig sind – egal in welcher Branche und für welche Unternehmensart. Und falls man das eine oder andere Werkzeug mobil dabei haben möchte, kann man es sich auch via Download herunter laden. Jedes Kapitel stellt pro Bereich die relevantesten Methoden vor und führt die Umsetzung anhand eines Beispiels aus. Dabei ergibt es sich von selbst, dass man das Buch ideal als Nachschlagewerk im Tagesgeschäft nutzen kann. Am Ende des Buches werden die Anwendung und Nutzung der vorgestellten Methoden im Überblick dargestellt. Das Buch ist ein Praxis- und Umsetzungsbuch, das ohne große Kontextdarstellungen und Herleitungen auskommt. Es reduziert sich auf das Wesentliche, nämlich das Handwerkszeug. Und genau darin hat das Buch seine Stärke. (OH)

 

 

Die Chef-Falle

Jörg Knoblauch
Campus 2013, 224 Seiten, ISBN 978-3-5933-9941-6

Rezension von Wolfgang Hanfstein, ZOE, Ausgabe 1/14

«Die Chef-Falle» von Jörg Knoblauch ist die logische Fortsetzung seines ersten Campus-Ratgebers «Die Personalfalle.» Knoblauch bleibt seinem Prinzip der Leistungskategorien für erstklassige, brauchbare und untragbare Mitarbeiter treu. Allerdings überträgt er die Typologie diesmal auf die Führungsetage. Nur «AChefs », so der Autor, sind in der Lage, die besten Leute zu binden, weil «sie sich gerne mit «A-Mitarbeitern umgeben». Sie stellen höchste Ansprüche sowohl an die eigene als auch an die Arbeit der anderen und wollen deshalb auch ein Spitzenteam führen. Wer selbst zu den Top-Verdienern gehört, sollte auch als Top-Performer überzeugen, als «A-Chef mit visionärer Kraft, Engagement und Erfolg, der seinen Mitarbeitern sämtliche Ressourcen und Werkzeuge in die Hand gibt, die sie brauchen, um ebenso erfolgreich zu sein.» Klingt einfach, ist es aber nicht. Denn in die «Chef-Falle» tappen viele Aufsteiger. Die schnappt zu, «sobald ein Manager den Druck, den er sich selbst macht, ungefiltert und rücksichtslos an seine Mitarbeiter weitergibt.» Insgesamt sieben klassische Management- Fehler zählt Knoblauch auf. Wer sich dagegen wappnen will, sollte die «FMU-Formel» kennen und verinnerlichen. «F» steht für Fachkraft – das sind Führungskräfte in der Regel längst nicht mehr. «M» für Manager, der zwar visionär denkt, aber noch immer ein Erfüllungsgehilfe ist. Wahre Chefs peilen stattdessen (und ausschließlich) das «U» für Unternehmer an: Als Chef, der seinen Leuten Vertrauen schenkt und Kompetenzen verteilt, der «A»-Mitarbeiter fördert, «B»-Angestellte in «A»- Performer verwandelt und Leistungsverweigerer der «C»- Klasse aussortiert. Und wenn es läuft, widmen sie sich den wirklich wichtigen Aufgaben eines Chefs: «Er steht am Fenster, und denkt über die Zukunft nach, spricht mit seinen Führungskräften über Ziele und besucht andere Unternehmen auf der ganzen Welt, um von den besten zu lernen.» Ein Buch, das unmissverständlich klar macht, wer verantwortlich ist, wenn es mit dem Unternehmen bergab geht: Nicht die zahllosen Mitmaßgeblich streiter an der Drehbank oder im Großraumbüro, sondern die Chefs. Und die dürfen es sich mit Fug und Recht natürlich auch an die Brust heften, wenn es mit dem Unternehmen aufwärts geht. (WH)